Der Kaffee beim FrĂźhstĂźck war stärker als gedacht. Schon auf dem Weg durch die Hotellobby spĂźre ich, wie sich tief im Bauch ein schweres, rundes GefĂźhl ausbreitet â nicht schmerzhaft, eher wie ein inneres Raunen, das ankĂźndigt, dass der KĂśrper bald etwas loswerden mĂśchte. Ich nehme es mit einem wissenden Nicken zur Kenntnis und schiebe mir, bevor ich hinaus in den Wald gehe, ein paar Blätter Toilettenpapier in die Jackentasche. Sicher ist sicher.
DrauĂen empfängt mich die frische Morgenluft mit einem kĂźhlen Hauch, der sofort klar macht, dass der Tag noch jung ist. Der Waldweg schlängelt sich sanft bergauf. Feuchte Erde duftet nach Regenresten, und irgendwo knackt ein Ast unter dem Gewicht eines Vogels. Bei jedem Schritt breitet sich das runde, drängende GefĂźhl in meinem Bauch ein StĂźck weiter aus â nicht dringlich, aber deutlich genug, dass ich leise in mich hineinschmunzeln muss.
Nach ein paar Minuten entweicht mir ein kleiner, kaum hĂśrbarer Laut, ein unauffälliges âpffâ. Ich halte kurz inne, schaue mich halb belustigt, halb ertappt um â natĂźrlich ist niemand da. Der Wald reagiert nur mit einem raschelnden Blatt, als wĂźrde er freundlich sagen: Passiert doch jedem.
Der Weg fĂźhrt zu einer kleinen Lichtung, von Farnen umrahmt und von weichem Moos bedeckt. Wieder ein Pupsâ ein dumpfes, rundes Geräusch, das zwischen den Bäumen verhallt. Die Stelle wirkt geschĂźtzt, fast wie ein natĂźrlicher kleiner Raum, der sich eigens fĂźr solche Momente Ăśffnet.
Der Druck in meinem Bauch ist nun weniger ein GefĂźhl als Gewissheit â ruhig, schwer, bereit. Ich laufe ein paar Schritte abseits des Pfads, dort, wo das Licht sanft durch die Ăste fällt und die Luft etwas wärmer ist. Ich hole die Blätter aus der Tasche, atme tief ein, mache meine Hose auf und lasse mich nieder, so natĂźrlich wie man es drauĂen eben tut.
Der KĂśrper lässt los â ohne Hast, ohne Widerstand, einfach so, als hätte er genau darauf gewartet. Es ist ein dumpfes, leises âploppâ, mehr ein weiches Nachgeben als ein Geräusch, und die Erleichterung danach breitet sich wie eine sanfte Welle durch mich hindurch. Der Wald nimmt alles auf mit dieser zeitlosen Gelassenheit, die nur Orte haben, die schon immer wussten, wie Menschen funktionieren.
Als ich mich wieder aufrichte, fßhle ich mich leichter, gelÜst, ein bisschen wie nach einem guten Gespräch mit mir selbst. Ich säubere mich, verstaue das Papier ordentlich, ziehe meine Jacke zurecht.
Ich betrachte meine Errungenschaft. Dampfend und friedlich am Waldboden.
Auf dem RĂźckweg zur Lichtung wirkt der Wald heller, freundlicher, fast vertraut â als hätte ich etwas zurĂźckgelassen, das gar nicht wichtig war, das aber Platz gemacht hat fĂźr etwas anderes: Ruhe.
Verständnis.
Und ein unerwartet gutes BauchgefĂźhl.
Morgenstund im Wald
- flottes darm
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Re: Morgenstund im Wald
Sehr schĂśn geschrieben.
Ein solches wild-romantisches Erlebnis tut sicher der Seele gut.
Ein solches wild-romantisches Erlebnis tut sicher der Seele gut.